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FÀröer im Zweiten Weltkrieg
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Die dĂ€nische nordatlantische Inselgruppe FĂ€röer wurde im Zweiten Weltkrieg am 11. April 1940 im Rahmen der sogenannten Operation Valentine von Großbritannien besetzt, nachdem am 9. April DĂ€nemark von den Deutschen ĂŒberfallen und besetzt worden war.

Dies fĂŒhrte zu einer kompletten Isolation des damaligen dĂ€nischen Amtsbezirks vom Mutterland und letztlich der Autonomie der FĂ€röer im Jahr 1948. WĂ€hrend die FĂ€röer unter britischer Besetzung ein enormes Wirtschaftswachstum durch die Fischerei erlebten, zahlten ihre Seeleute hierfĂŒr einen hohen Preis. 150 FĂ€ringer, etwa 0,5 % der Bevölkerung, blieben auf See.

Zeitweilig waren bis zu 8000 britische Soldaten auf den FÀröern stationiert, die damals etwa 30.000 Einwohner hatten.

Übersichtsartikel: Geschichte der FĂ€röer

Contents

‱ Kriegsende
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Strategische Lage der FÀröer

WĂ€hrend im Ersten Weltkrieg die britische Seeblockade gegen Deutschland zwischen den Orkney, Shetlandinseln und Bergen im neutralen Norwegen errichtet wurde, war die strategische Situation im Nordatlantik wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs nach der sogenannten Operation WeserĂŒbung – der deutschen Besetzung DĂ€nemarks und Norwegens am 9. April 1940 – komplizierter.

Großbritannien musste nun seine Blockade zwischen Shetland, den FĂ€röern und Island aufbauen, wĂ€hrend Deutschland die lange norwegische KĂŒste als Operationsbasis hatte. Nach der Besetzung DĂ€nemarks und Norwegens war aus britischer Sicht Eile geboten, um diesen strategischen Posten nicht zu verlieren.

Auch die strategische Bedeutung der FÀröer im Kalten Krieg (und bis heute) bestimmt die politischen Geschicke des Landes immer wieder mit.

Kriegsausbruch

Vorbereitungen

Bereits nach dem Kriegsbeginn in Europa 1939 bereitete man sich auf den FĂ€röern auf mögliche Konsequenzen bezĂŒglich der Versorgungssituation vor. Es wurde ein Kontrollrat geschaffen, der sicherstellen sollte, dass lebenswichtige GĂŒter wie Salz (davon hing die Fischereiindustrie ab) und Brennstoffe ebenso in ausreichender Menge vorhanden waren wie Kleidung und Nahrungsmittel.

Seit Anfang 1940 wurden dÀnische Schiffe Opfer des deutschen U-Boot-Krieges, und so verschlechterte sich die Verbindung der FÀröer mit DÀnemark zusehends. Im Februar kam die letzte Post aus DÀnemark an. Erst nach dem Kriegsende wurde die Verbindung wiederhergestellt.

Am 11. MĂ€rz 1940 forderte der Kontrollrat alle FĂ€ringer auf, Ă€ußerste Sparsamkeit zu ĂŒben und verstĂ€rkt Kartoffeln und GemĂŒse fĂŒr den Eigenbedarf der Inseln anzubauen. Gleichzeitig wurde Kohle als Importware rationiert (spĂ€ter auch die einheimische Kohle aus Hvalba) und an die Einwohner appelliert, die schon fast vergessen geglaubte Tradition des Torfstechens wieder aufleben zu lassen. Grundbesitzer waren ĂŒberdies gehalten, landlosen Fischern Parzellen zur VerfĂŒgung zu stellen, wo sie selbst Kartoffeln anbauen konnten.

Die FlottenaktivitÀten im Nordatlantik wurden Ende MÀrz, Anfang April immer intensiver, sodass man sich unmittelbar auf das Schlimmste vorbereitete.

Chronologie der Ereignisse

Dienstag, 9. April 1940. In den frĂŒhen Morgenstunden bricht die Telegrafenverbindung der FĂ€röer mit DĂ€nemark zusammen. Das DĂ€nische Radio berichtet am Vormittag vom Einmarsch der deutschen Wehrmacht, dem zwecklosen Widerstand sowie der Kapitulation des Königs und der Regierung.

Etwa 3000 FĂ€ringer befinden sich zu diesem Zeitpunkt in DĂ€nemark. Sie werden ihre Heimat erst 1945 wiedersehen. Auf den FĂ€röern selber ist vom Krieg noch nichts zu spĂŒren.

ZufĂ€lligerweise tagt gerade das am 30. Januar neu gewĂ€hlte LĂžgting. Der dĂ€nische Amtsmann (Gouverneur) Carl Aage Hilbert berĂ€t sich umgehend mit den Volksvertretern ĂŒber die neu entstandene Situation.

Derweil sticht die Schaluppe Eysturoy unter KapitÀn Hans Mikkelsen von Klaksvík aus in See, um eine Ladung gefrorenen Fisch nach Aberdeen zu bringen.

Mittwoch, 10. April. Am Morgen wendet sich Hilbert ĂŒber Radio TĂłrshavn an das fĂ€röische Volk. Er sagt, dass die dĂ€nische Kapitulation keine Kapitulation der FĂ€röer sei, und dass er zusammen mit dem LĂžgting die Regierung des Landes in der Hand behĂ€lt. Der LĂžgtingsprĂ€sident Kristian Djurhuus wendet sich danach an die Zuhörer. Er verspricht, dass das LĂžgting alles unternehmen wird, damit die Fischerei fortgesetzt werden kann.

Hilbert verbietet gleichzeitig allen dÀnischen Schiffen das Verlassen der FÀröer ohne seine Erlaubnis. Ihre Ladungen werden zur Selbstversorgung der Inseln beschlagnahmt, allerdings ist die Ausbeute geringer als erhofft.

Am Nachmittag versucht die Volkspartei (FĂłlkaflokkurin) einen Staatsstreich: Die AutoritĂ€t Hilberts fĂŒr die FĂ€röer wird von ihr einseitig fĂŒr beendet erklĂ€rt und das LĂžgting als alleinige Instanz des Landes proklamiert. Es wird ein Ultimatum bis 18 Uhr gestellt, ab dem die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der FĂ€röer zur Kenntnis genommen werden muss. Der Staatsstreich scheitert an der Ablehnung aller anderen Parteien, welche die Mehrheit im LĂžgting bilden.

Inzwischen kommt die Schaluppe Eysturoy in britische GewĂ€sser und wird bei den Orkney von einem Kriegsschiff der Royal Navy aufgebracht. Der Skipper Hans Mikkelsen wird aufgefordert, den Dannebrog zu streichen. Problematisch ist, dass die britische Marine den Auftrag hat, die Schiffe aus dem besetzten DĂ€nemark abzufangen, man aber keine Probleme mit den Faröern haben will. Er wird von den Briten gefragt, ob er nicht eine andere Flagge habe. Das lĂ€sst er sich nicht zweimal sagen, setzt die – bis dahin aus Sicht DĂ€nemarks illegale – Flagge der FĂ€röer und darf die Fahrt nach Aberdeen fortsetzen. Dort im Hafen befinden sich viele Boote von den FĂ€röern. Als Eysturoy mit der fĂ€röischen Flagge in Sichtweite kommt, wird auf allen Booten der Dannebrog eingeholt und Merkið gehisst. Der kriegsbedingt erzwungene Schriftzug DANMARK an den BordwĂ€nden wird auf allen Booten durch FAROES – FØROYAR ersetzt.

Donnerstag, 11. April. Der britische Premier- und Marineminister Winston Churchill erklĂ€rt im Unterhaus (und ĂŒber BBC):

„Wir sind [
] in diesem Augenblick dabei, die FĂ€röer zu besetzen, die zu DĂ€nemark gehören und die grĂ¶ĂŸte strategische Bedeutung haben. Das fĂ€röische Volk signalisierte uns, dass wir mit WĂ€rme willkommen geheißen werden. Wir wollen die FĂ€röer vor den Kriegsgreueln beschĂŒtzen und uns dort solange mit angemessenen See- und LuftstreitkrĂ€ften aufhalten, bis die Inseln der dĂ€nischen Krone und dem dĂ€nischen Volk zurĂŒckgegeben werden können – nachdem es von der Knechtschaft befreit ist, der es durch den deutschen Überfall ausgesetzt ist.“

Am gleichen Tag taucht ein AufklĂ€rungsflugzeug der Royal Air Force ĂŒber TĂłrshavn auf.

Freitag, 12. April. Gegen Mittag ankern die britischen Zerstörer Havant und Hesperus vor TĂłrshavn. Die beiden Kommandanten suchen den Amtsmann Hilbert auf, der sie im Beisein von Kristian Djurhuus empfĂ€ngt. Die Briten fordern die FĂ€ringer dazu auf, Vorbereitungen fĂŒr die Landung der Marineinfanterie in TĂłrshavn und SkĂĄlafjĂžrður zu treffen. Angesichts der Lage erklĂ€rt Hilbert, dass es keine andere Alternative gĂ€be.

Samstag, 13. April. Das LĂžgting protestiert formal beim britischen Konsul in TĂłrshavn gegen die Besetzung der FĂ€röer. Dieser Protest wird von allen Seiten als rein formal angesehen, denn die Bevölkerung ist ĂŒbereinstimmend erleichtert, dass es die Briten und nicht die Deutschen sind, die ihr Land besetzen.

Über die Telegrafie und das Radio wird die Zensur verhĂ€ngt und der ĂŒberseeische Postdienst ausgesetzt. FĂŒr TĂłrshavn wird Verdunklung angeordnet.

Am Nachmittag landen die ersten 200 Royal Marines mit zwei bewaffneten Trawlern in Begleitung des Kreuzers Suffolk.

Sonntag, 14. April. Die Marines werden nach SkĂĄlafjĂžrður verlegt, wo die Briten einen MarinestĂŒtzpunkt errichten. Das Hauptquartier wird in der alten TĂłrshavner Festung Skansin angelegt. Die großen Schiffskanonen dort zeugen heute noch von dieser Zeit.

Sonntag, 21. April. Die ersten Fischerboote mit der Flagge der FĂ€röer kommen zurĂŒck aus Aberdeen. Amtsmann Hilbert versucht, diese „AufrĂŒhrerflagge“ durch eine grĂŒne Signalflagge ersetzen zu lassen. Das fĂŒhrt umgehend zu heftigen Demonstrationen in TĂłrshavn. Hilbert beugt sich dem Volkswillen.

Montag, 22. April. Alle fĂ€röischen LeuchttĂŒrme werden abgeschaltet und in den Folgejahren nur noch auf Anweisung der Alliierten zeitweise in Betrieb genommen, um SchiffsverbĂ€nden den Weg zu weisen.

Donnerstag, 25. April. Über BBC gibt die Royal Navy bekannt, dass die Flagge der FĂ€röer fĂŒr den Rest des Krieges auf fĂ€röischen Schiffen gefĂŒhrt werden soll.

Samstag, 27. April. Hilbert unterschreibt eine Anordnung, dass die fĂ€röische Flagge zur See gefĂŒhrt werden soll, an Land aber weiterhin der Dannebrog verwendet wird.

Die britische Anordnung bezĂŒglich der Flagge soll die einzige Einmischung in die inneren Angelegenheiten der FĂ€röer bleiben. Der 25. April wird seitdem als arbeitsfreier Feiertag (Flaggtag der FĂ€röer) begangen. Es gibt keine Hinweise dafĂŒr, dass der britischen Seite bewusst war, welche innenpolitischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit sie damit beendeten.

25. Mai. Die Marines werden durch 500 Lovat Scouts aus Schottland abgelöst, die mit dem Transportschiff Ulster Prince landen. Dieses Regiment verbleibt bis zum 10. Juni 1942. Sie wurden unter anderem von den ebenfalls schottischen Cameronians abgelöst, die bis 1943 blieben.

Kriegsgeschehen

Britische AktivitÀten auf den FÀröern

Die PrÀsenz der alliierten StreitkrÀfte auf den FÀröern verfolgte zwei strategische Ziele.

1. Die Seeblockade im Nordatlantik
2. Kampf gegen die deutsche U-Boot-Waffe

Entsprechend maritim waren die von den FÀröern ausgehenden Aktionen.

Die britische Royal Air Force leistete mit dem Bau des Flughafens VĂĄgar einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Infrastruktur des Landes, der heute noch als einziger Flughafen dient (siehe dort). Bevor der Flughafen fertiggestellt wurde, diente der benachbarte große See SĂžrvĂĄgsvatn als Wasserflugplatz mit einem Anleger bei Vatnsoyrar, wo gleichzeitig die meisten Briten stationiert waren. VĂĄgar war damit auch die am stĂ€rksten befestigte Insel der FĂ€röer. Die Einwohner bekamen spezielle IdentitĂ€tskarten, und wer VĂĄgar besuchen wollte, brauchte hierfĂŒr einen besonderen Sicherheitspass. Verfallene Betonbunker erinnern ebenso an diese Zeit wie der britische Soldatenfriedhof in der NĂ€he des Flughafens.

Zwischen 1942 und 1944 befand sich die grĂ¶ĂŸte Truppenkonzentration auf den FĂ€röern, zeitweilig bis zu 8000 Mann. Dies fĂŒhrte zu erstaunlich wenigen ZwischenfĂ€llen mit den etwa 30.000 Einheimischen. Einige vereinzelte Übergriffe aufgrund von Trunkenheit oder Ă€hnlichem wurden gemeinsam und einvernehmlich von der Royal Military Police und der provisorischen Regierung der FĂ€röer verfolgt.

Verluste und SchÀden an Land

Luftangriffe

Die Angriffe gegen die FĂ€röer selber blieben relativ begrenzt. Die deutsche Luftwaffe flog den verheerendsten Angriff am 21. Februar 1941, bei dem der britische bewaffnete Trawler Lincoln City von zwei deutschen Bombern im Hafen von TĂłrshavn versenkt wurde. Hierbei kamen acht britische Marineangehörige ums Leben. Das Schiff sank innerhalb kĂŒrzester Zeit. Sofort nach der ersten Detonation eilten alle verfĂŒgbaren fĂ€röischen Boote zur Stelle, um noch wĂ€hrend des Beschusses die restliche Besatzung zu retten. Eines der beiden Flugzeuge wurde kurz darauf von der Flugabwehrbatterie in SkĂĄlafjĂžrður abgeschossen.

Es gab noch andere Luftangriffe gegen die FĂ€röer, doch dabei blieb es immer beim Sachschaden, wenn auch fĂŒr fĂ€röische MaßstĂ€be erheblich, wie zum Beispiel bei der Zerstörung des Leuchtturms Borðan im Jahr 1941.

Treibende Minen

Eine ganz andere Gefahr drohte durch im Meer treibende Minen und andere Sprengladungen, die an die fĂ€röische KĂŒste gespĂŒlt wurden und dort gelegentlich explodierten. Dabei wurden im Verlaufe des Krieges etwa 200 bis 300 HĂ€user beschĂ€digt. 1941 kam es zu zwei schweren UnfĂ€llen beim Hantieren mit solchen Minen, wobei insgesamt fĂŒnf damit unerfahrene FĂ€ringer getötet wurden.

Als Konsequenz wurden Warnschilder aufgestellt und an die besten SchĂŒtzen der Dörfer Gewehre verteilt, mit denen sie die Minen vernichten konnten, bevor sie das Ufer erreichten. Auf diese Art wurden etwa 850 Minen unschĂ€dlich gemacht.

Fischerei und Verluste zur See

| Jahr | DĂ€nische Kronen |
|---|---|
| 1940 | 13.207.000 |
| 1941 | 38.367.000 |
| 1942 | 44.123.000 |
| 1943 | 41.123.000 |
| 1944 | 49.294.000 |
| 1945 | 30.174.000 |

WÀhrend es an Land vergleichsweise friedlich blieb, waren die fÀröischen Fischer einer besonderen Gefahr ausgesetzt. Wie gewohnt befischten die FÀringer zunÀchst noch mit ihren Schaluppen, Schonern und Trawlern die GewÀsser im Norden rund um Island und Grönland, um den Fang dann entweder als Salzfisch oder Klippfisch zu exportieren.

Kriegsbedingt war Norwegen als damals grĂ¶ĂŸte Fischereination Europas ganz vom britischen Markt abgeschnitten. So wurden die FĂ€röer, Island, Irland und Großbritannien die einzigen Staaten auf dem britischen Fischmarkt. Die britische Fischereiflotte musste fast alle Trawler an die Royal Navy abtreten, womit eine starke Konkurrenz im Nordatlantik ausgeschaltet war.

Aus fĂ€röischer Sicht war der Absatzmarkt in Großbritannien nunmehr der einzige, und dort war die Nachfrage nach ungesalzenem Fisch ein Grund, die fĂ€röische Fischereiindustrie umzustellen. Hinzu kam, dass die IslĂ€nder sich weigerten, ohne FliegerunterstĂŒtzung Fisch nach Großbritannien zu fahren. Diese Aufgabe ĂŒbernahmen dann die fĂ€röischen Schaluppen und Schoner. Der fĂ€röische FischereistĂŒtzpunkt FĂŠringehavn in Westgrönland wurde dann fĂŒr die Dauer des Krieges aufgegeben.

Dieses GeschĂ€ft lohnte sich außerordentlich. Etwa 20 % des britischen Fischverbrauchs wurde von den FĂ€röern geliefert.

Der Kurs der DĂ€nischen Krone gegenĂŒber dem Pfund Sterling wurde wĂ€hrend des Krieges auf 22,40 zu 1 festgelegt. Hatten die FĂ€röer im Januar 1941 248.000 Pfund Guthaben bei britischen Banken, so waren es im Juli 1945 2.792.000 Pfund.

Durch Kriegseinwirkungen kam es aber zu schmerzlichen Verlusten unter den Fischern. 21 Fischereifahrzeuge der FĂ€röer wurden versenkt, wobei 132 Seeleute getötet wurden. Der Seemann Zacharias MĂŒller aus Porkeri erzĂ€hlt in seinen Erinnerungen (2003):

„1940 fuhr ich auf der Schaluppe Aldan, einem Segelschiff mit Hilfsmotor. Wir luden Fisch in VĂĄgur ein, den wir nach Aberdeen segelten. Wir hatten fĂŒnf bis sechs Touren und verdienten eine Menge Geld. Einmal, als wir von VĂĄgur nach Aberdeen sollten, waren wir zwei hier aus Porkeri, Johan Christiansen (heute 90 Jahre) und ich, angeheuert als RudergĂ€nger. Als wir von VĂĄgur lossegeln sollten, gingen Johan und ich nach Porkeri, um uns von der Familie zu verabschieden. Kurz sĂŒdlich der Stadt sagte Johan plötzlich: ‚Ich komme nicht mit‘. ‚Was sagst du!‘, sagte ich, ‚das Schiff ist voll beladen mit Fisch und klar zum Ablegen, und so fehlt nun ein Steuermann!‘ ‚Nein, ich fahre nicht mit!‘, sagte er. Ich ging zurĂŒck zu meiner Frau und sagte ihr, dass Johan nicht mit will. Sie sagte: ‚Dann fĂ€hrst du auch nicht mit!‘ Sie war schwanger. Ich wollte dennoch mit, aber sie war standhaft und verbot mir, mit zu fahren – ich gab am Ende nach. Ein Schwager des Skippers fuhr an meiner Stelle. Aldan kam nie zurĂŒck. Es war das erste fĂ€röische Schiff, das verloren ging. Sie segelten von VĂĄgur und kamen nie wieder heim. Es gingen GerĂŒchte um, dass die Deutschen sie gefangen hatten und nach Norwegen schleppten, aber das waren nur Vermutungen. Sie liefen sicher auf eine Mine und gingen unter mit Mann und Maus.“

–

Zacharias MĂŒller

Mit der Aldan starben im Juli 1940 die ersten sechs fĂ€röischen Seeleute aufgrund des Krieges. Der grĂ¶ĂŸte einzelne Verlust war der Trawler NĂœggjaberg aus MiðvĂĄgur, der am 28. MĂ€rz 1942 vor Island mit seinen 21 Mann Besatzung spurlos verschwand. Es wird ein deutscher U-Boot-Angriff dahinter vermutet.

Die fĂ€röischen Fischerboote waren auch der Gefahr aus der Luft ausgesetzt. Um sich gegen Luftangriffe wehren zu können, wurden ab dem 21. April 1941 alle Boote mit jeweils zwei leichten Maschinengewehren und ausreichend Munition ausgerĂŒstet. Dieses Angebot war freiwillig, konnte nach einer Einweisung mindestens zweier Besatzungsmitglieder in jedem britischen Hafen entgegengenommen werden und wurde dann vom Hauptquartier auf Skansin regelmĂ€ĂŸig auf FunktionstĂŒchtigkeit ĂŒberprĂŒft. Diese Bewaffnung hatte eine gewisse abschreckende Wirkung, wenn man vergleicht, was ein deutsches Kriegsflugzeug im Vergleich zu einer fĂ€röischen Schaluppe wert ist. In einem Fall gelang dem Schaluppen-Skipper Georg Joensen aus Eiði an Bord der Thor aus SĂžrvĂĄgur am 12. Juni 1941 ein Abschuss. Er holte 15 Seemeilen nördlich von Rattray Head (einem damaligen Royal Navy Fliegerhorst in der NĂ€he von Aberdeen) eine deutsche Heinkel vom Himmel und bekam dafĂŒr 1942 von König Georg VI. den britischen Orden M.B.E (Member of the Order of the British Empire) verliehen.

Ein Mahnmal im TĂłrshavner Stadtpark erinnert an die zur See gebliebenen Zivilisten.

FĂ€ringer auf deutscher Seite

Von den etwa 3000 in DĂ€nemark verbliebenen FĂ€ringern meldeten sich im Laufe des Krieges eine Handvoll Freiwillige zur Waffen-SS: Sverri Djurhuus (1920–2003), Richard Joensen (gefallen in Narva 1944), Johannes Toftum (gefallen in Narva) und Leivur Restorff. Es soll einen weiteren Freiwilligen gegeben haben, der aber desertierte und von dem Sverri Djurhuus spĂ€ter gesagt haben soll: Das war kein echter FĂ€ringer. S. Djurhuus erzĂ€hlte auch von einem Aufenthalt in Berlin, wo er wĂ€hrend eines Bombenangriffs zufĂ€llig einige fĂ€röische Krankenschwestern traf.

Aus Berlin sendete das deutsche Radio von Zeit zu Zeit Propagandasendungen auf FĂ€röisch. Sie wurden vom deutschen Skandinavisten Theophron Runze verlesen, der vermutlich 1944 bei einem Bombenangriff in Berlin ums Leben kam. Runze hatte in den Rundfunksendungen das Pseudonym JĂłgvan Ă­ Garði. Zeitzeugen beschreiben sein FĂ€röisch als fließend, aber mit deutschem Akzent. Er soll in den 1930er-Jahren auf den FĂ€röern gewesen sein und so die Sprache gelernt haben.

Versorgungslage der Bevölkerung

| Jahr | FĂ€nge | Wale | Skinn |
|---|---|---|---|
| 1940 | 10 | 2.847 | ĂŒber 8.564,50 |
| 1941 | 28 | 4.482 | ĂŒber 24.929,00 |
| 1942 | 9 | 1.931 | ĂŒber 8.639,50 |
| 1943 | 8 | 1.041 | 6.074,50 |
| 1944 | 11 | 1.386 | 7.589,00 |
| 1945 | 10 | 1.558 | 9.758,50 |

Die Versorgungslage der FÀröer war wÀhrend des gesamten Krieges vergleichsweise gut. Auf den Dörfern war die Versorgung etwas besser als in Tórshavn. Waren wie Zucker, Kaffee, Tee und Margarine waren zwar rationiert, aber die Bevölkerung litt zu keinem Zeitpunkt materielle Not.

Der Fischfang der Hochseeflotte ging beinahe komplett in den Export nach Großbritannien, so dass die KĂŒstenfischerei mit den kleinen Booten der Dörfer das RĂŒckgrat der Selbstversorgung aus dem Meer bildete. Daneben waren die einheimischen Kartoffeln ebenso ĂŒberlebenswichtig wie auch der Vogelfang und Grindwalfang (grindadrĂĄp), an dem sich der Überlieferung zufolge die britischen Soldaten beteiligten. Der Fang von Sandur am 10. Oktober 1940 war das grĂ¶ĂŸte GrindadrĂĄp in der Geschichte der FĂ€röer mit 1200 getöteten Grindwalen. Die Skinnatal (fĂ€röische Gewichtseinheit fĂŒr Grindwalfleisch und -speck) wurde nicht ermittelt, daher ist sie fĂŒr dieses Jahr nicht vollstĂ€ndig.

Die Versorgung mit Bekleidung war aufgrund der noch intakten alten hĂ€uslichen Dorfwirtschaft kein großes Problem. Hier konnte man sich auf die fĂ€röische Wolle stĂŒtzen. Nur Schuhe wurden gegen Ende des Krieges teurer.

FÀröische Politik

Kurz vor der britischen Besatzung wurde am 30. Januar 1940 turnusmĂ€ĂŸig ein neues LĂžgting gewĂ€hlt. Die neu gegrĂŒndete, damals dezidiert separatistische FĂłlkaflokkurin (Volkspartei) von JĂłannes Patursson ging hieraus gestĂ€rkt hervor. Sie konnte ihre beiden Sitze von 1936 auf sechs verdreifachen. SjĂĄlvstĂœrisflokkurin, (die Ă€ltere UnabhĂ€ngigkeitspartei) verlor die HĂ€lfte ihrer Mandate und hatte nur noch vier. Sambandsflokkurin (Unionisten) behielt ihre acht Mandate, Petur Mohr Dams Javnaðarflokkurin (Sozialdemokraten) bekam ebenfalls unverĂ€ndert sechs Sitze.

Provisorische Regierung der FÀröer

Wie oben bereits erwĂ€hnt, versuchte die Volkspartei am 10. April des Jahres, einen Tag nach der deutschen Besetzung DĂ€nemarks, einen Staatsstreich und die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der FĂ€röer. Dies scheiterte am Widerstand der anderen drei Parteien, welche die Mehrheit bildeten. Dennoch beharrte die Volkspartei auf ihren Forderungen, und so einigte man sich am 9. Mai 1940 auf eine provisorische Regierung der FĂ€röer (Bråðfeingisskipan) – all dies mit Duldung der britischen MilitĂ€rverwaltung, die sich ganz aus den inneren Angelegenheiten der FĂ€röer heraushielt und im Gegenteil froh war, dass alles reibungslos funktionierte.

Die geltenden dĂ€nischen Gesetze blieben in Kraft, nur regierte der Amtsmann und ein dreiköpfiges LĂžgtingskommitee ĂŒberall dort, wo sonst ein Ministerbeschluss aus Kopenhagen nötig gewesen wĂ€re. Gesetzesinitiativen konnten sowohl vom Amtsmann als auch vom LĂžgting ausgehen, mussten aber in jedem Fall vom LĂžgting beraten, mehrheitlich verabschiedet und vom Amtsmann ratifiziert und verkĂŒndet werden. Neben der Gesetzgebungsgewalt erhielten die FĂ€röer auch eine eigene Gerichtsbarkeit.

Eigene WĂ€hrungspolitik

Ende 1940 trat die provisorische Regierung FĂ€röer in eigene diplomatische Verhandlungen mit London, als es um die Frage der dĂ€nischen WĂ€hrung und ihre Konvertierbarkeit ging. Dazu reiste eine Delegation nach Großbritannien und einigte sich zusammen mit dem dortigen dĂ€nischen Botschafter Eduard Reventlow darauf, dass Großbritannien fĂŒr die Zeit des Krieges alle finanziellen UnterstĂŒtzungen weiter leistet, die vorher aus DĂ€nemark kamen. Ein fester Mindestpreis fĂŒr fĂ€röische Fischereiprodukte wurde ebenso vereinbart wie ein fester Wechselkurs der DĂ€nischen Krone zum Pfund Sterling. Allerdings bekamen die FĂ€röer eigene provisorische Geldscheine.

Der britische Dampfer SS Sauternes sank am 7. Dezember 1941 in einem Sturm vor SvĂ­noy, als er nicht nur Weihnachtsgeschenke fĂŒr die Soldaten, sondern auch dringend benötigte MĂŒnzen auf die FĂ€röer bringen sollte, die ebenfalls in England produziert wurden.

Aufstieg der Volkspartei

Die zeitweilige UnabhÀngigkeit von DÀnemark und der Wirtschaftsaufschwung nutzten in der Folge der neuen Volkspartei (Fólkaflokkurin). Bei den Wahlen zum dÀnischen Folketing 1943 bekam sie die relative Mehrheit vor Samband und den Sozialdemokraten, nur konnte der gewÀhlte Abgeordnete wegen des Krieges nicht nach Kopenhagen reisen, um dort seinen Platz einzunehmen.

Bei den LÞgtingswahlen im gleichen Jahr eroberte die Volkspartei 12 der 26 Sitze. WÀhrend die Volkspartei bis dahin in der Opposition gegen die provisorische Regierung war (eine Koalition der drei anderen Parteien), bekam sie dort nun einen Sitz. Da die anderen Parteien im LÞgting aber weiterhin die Mehrheit hatten, blieben Fólkaflokkurins weitergehende UnabhÀngigkeitsbestrebungen wirkungslos.

Kriegsende

Als sich 1944 immer mehr abzeichnete, dass die Alliierten den Krieg gewinnen wĂŒrden und sich die Front nun auf den Kontinent nach Westeuropa verlagerte, wurden große Kontingente von den FĂ€röern abgezogen. Viele britische Soldaten verließen die Inseln am 18. MĂ€rz 1944 mit dem Truppentransporter Empress of Russia.

Am Ende waren nur noch etwa 400 MilitÀrangehörige auf den FÀröern stationiert, die bis zuletzt die Flugzeuge auf Vågar und die Marinebasis in SkålafjÞrður betreuten.

Am Freitag dem 4. Mai 1945 traf um 20:45 Uhr auf den FĂ€röern die Nachricht ein, dass die Wehrmacht in DĂ€nemark, den Niederlanden und Norddeutschland kapituliert hatte. Spontan strömten die Menschen in TĂłrshavn auf die Straße, um zu feiern – war es doch die Befreiung ihres Mutterlandes und die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit den fĂ€röischen Landsleuten, die in DĂ€nemark ausharrten, und von denen man höchstens durch die Post des Roten Kreuzes (ĂŒber das neutrale Schweden) etwas gehört hatte.

Am folgenden Tag gab es im ganzen Land Dankgottesdienste, wĂ€hrend das LĂžgting König Christian X. seine LoyalitĂ€t telegrafierte. Die Telegrafenverbindung war bis zum 7. Mai wieder vollstĂ€ndig hergestellt, und nun bedankte sich auch die dĂ€nische Regierung bei Hilbert und dem LĂžgting fĂŒr die Selbstorganisation und garantierte im selben Atemzug die Beibehaltung der Selbstverwaltung. Der sich hieraus ergebende Verhandlungsbedarf fĂŒhrte in der Folge zur Verfassungskrise der FĂ€röer.

Noch hatte die Wehrmacht aber in Norwegen nicht kapituliert. So war die allgemeine Freude noch etwas gedÀmpft, was dadurch verstÀrkt wurde, dass am selben Tag ein von Norwegen kommendes deutsches Flugzeug ein fÀröisches Fischerboot angriff. Dieser letzte Akt der Aggression gegen die FÀröer blieb aber ohne Erfolg und am 8. Mai war auch Norwegen befreit.

Am 13. Mai fand in TĂłrshavn eine große Siegesparade der verbliebenen britischen Truppen statt, und am 16. September verließen die letzten Soldaten das Land. Etwa 170 Soldaten hatten auf den FĂ€röern geheiratet und nahmen nun ihre Frauen mit nach Großbritannien. Es gab aber auch zwei oder drei EhemĂ€nner, die auf den FĂ€röern blieben.

In der Fischereisaison 1946 wurde die fĂ€röische Fischerei vor FĂŠringehavn wieder aufgenommen. Die dezimierte und veraltete Fischereiflotte wurde in den 1950er-Jahren grundlegend erneuert. In der Folge schafften die FĂ€röer den Anschluss an die Weltspitze, blieben aber – bis heute – fast ausschließlich vom Fischfang und der zugehörigen Industrie abhĂ€ngig.

Literatur

‱ Eric Linklater: The Northern Garrisons: The Army at War. London: His Majesty’s Stationery Office, 1941, (Beschreibung der Einsatzorte in Island und den Orkney, Shetlands und FĂ€röern, in Form eines Reiseberichts geschrieben).
‱ John F. West: Faroe. The Emergence of a Nation. Hurst, London u. a. 1972, ISBN 0-8397-2063-7 (Grundlage fĂŒr diesen Artikel).
‱ Niels Juel Arge: StríðsĂĄrini 1940–1945. 6 BĂ€nde. Hvessingur, TĂłrshavn 1985–1990 (fĂ€röisch. Standardwerk).
‱ JĂĄkup Thorsteinsson: LĂžgting og amtmaður 1940–1945. In: LĂžgtingið 150. LĂžgtingið, TĂłrshavn 2002, ISBN 99918-966-3-5, Band 2, S. 77 ff., (PDF-Download, fĂ€röisch, 379 Seiten, ĂŒber 38 MB (Memento vom 4. Januar 2014 im Internet Archive)).
‱ James Miller: North Atlantic Front. Orkney, Shetland, Faroe and Iceland at war. (The Northern Isles at war). Birlinn Limited, Edinburgh 2003, ISBN 1-84341-011-7.
‱ KĂĄri Jespersen, Jens Pauli A. NolsĂže: FĂžroya sĂžga 1940–1998 – Tråður til keldusavn. FĂžroya SkĂșlabĂłkagrunnur 2000, Internetausgabe 2005 (PDF; 232 kB).

Weblinks

‱ Fiskimannafelag.fo – Verlustliste der Fischer (fĂ€röisch) (Memento vom 4. August 2008 im Internet Archive)
‱ Frikorps-Danmark.dk (Website ĂŒber die dĂ€nischen Freiwilligen auf deutscher Seite, dĂ€nisch und deutsch)
‱ Faroestamps.fo: Merkið, die Flagge der FĂ€röer (deutsch) (Memento vom 28. Februar 2006 im Internet Archive)

Einzelnachweise

cite-note-11. BBC: WWII people’s war Sole Survivor. 30. Dezember 2005 (ĂŒber den einzigen Überlebenden des Flugzeugabsturzes vom 9. November 1942)
cite-note-22. Syd Historie. Archiviert vom Original am 3. August 2008; abgerufen am 13. Juli 2012 (dÀnisch).